Reportage über einen Auto Klassiker bei einem der berühmtesten Rennen der Welt

Kunde Bizzarini Automobili S.A. - Bizzarrini in Le Mans – die Rückkehr eines Ferrarijägers

Bizzarini - 24hrs Le Mans Classic

Bizzarrini in Le Mans – die Rückkehr eines Ferrarijägers

Giotto Bizzarrini, geboren 1926 in Livorno, war einer der prägenden Konstrukteure der italienischen Sportwagen-Ära. Bei Ferrari leitete er ab 1957 die Versuchsabteilung und war maßgeblich am 250 GTO beteiligt – jenem Auto, das bis heute als einer der bedeutendsten GT der Geschichte gilt.

Der Bruch mit Enzo Ferrari kam Ende 1961. Bizzarrini gehörte zur Gruppe leitender Ingenieure, die im sogenannten „Palastaufstand" das Werk verließen – ausgelöst durch das Zerwürfnis mit Laura Ferrari, die zunehmend in operative Entscheidungen eingriff. Der Breadvan war die Antwort darauf.

Conte Giovanni Volpi, dem Enzo nach der Affäre den Kauf eines 250 GTO verweigerte, beauftragte Bizzarrini mit dem radikalen Umbau eines 250 GT SWB. Mit Kammheck und tiefergelegter Motorlage entstand 1962 die „Breadvan". Bei den 24 Stunden von Le Mans war sie auf der Hunaudières schneller als die GTOs – bis ein Antriebswellenbruch das Rennen beendete. Der Beweis aber war geliefert: Bizzarrini konnte Ferrari schlagen.

Mit der Gründung der Prototipi Bizzarrini 1964 wurde aus der Episode ein Programm. Der 5300 GT, abgeleitet vom Iso Grifo A3/C, war kompromisslos auf den Rennsport gezeichnet: Chevrolet-V8 hinter der Vorderachse, Aluminiumkarosserie, Trockensumpfschmierung. 1965 gewann er in Le Mans die Klasse über 5 Liter und schlug dabei mehrere werksunterstützte Ferrari. Ende der Sechziger galten die Bizzarrini-Coupés in der GT-Szene als die Ferrarijäger schlechthin.

Vor einigen Jahren hat Malte Fromm die insolvente Marke übernommen. Mit seinen Continuation Cars führt er das Werk Giotto Bizzarrinis weiter – fahrfertige, kompromisslose Rennmaschinen für Sammler, die ihre originalen 5300 GT nicht jedes Wochenende über die Curbs prügeln wollen. Das Erbe lebt nicht im Museum, sondern auf der Strecke.

Beim Le Mans Classic durfte ich Malte und einen seiner Kunden während des 24-Stunden-Rennens begleiten – mit der Kamera nah dran an einem Auto, das die DNA eines Konstrukteurs trägt, der einen der schönsten Ferrari der Geschichte gezeichnet und später systematisch gegen die eigene Vergangenheit angetreten ist.

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