Perfektion tötet Glaubwürdigkeit
Ein Stahlwerker bei Zollern Stahl - Die Arbeit im Stahlbusiness ist hart und archaisch. Sie gehört aber auch zu den wichtigsten Industrien in der deutschen Wirtschaftslandschaft.
Perfektion tötet Glaubwürdigkeit - und die meisten Firmen merken es nicht mal.
Ich sehe es immer wieder: Webseiten, Mitarbeitervideos, Interviews. Jemand aus dem Unternehmen nimmt jemand anderen aus dem Unternehmen auf.
Alle stehen brav, ordentlich, verkrampft vor der Kamera.
Es fehlt nur noch das Rüschenhemdchen zum Kaffeekranz.
So unauthentisch. So langweilig. Und dabei hätten diese Firmen nichts zu verlieren, wenn sie einfach mal mehr Natürlichkeit zulassen würden.
Wir leben in einer perfektionistischen Welt, wo jeder sich täglich selbst optimiert. Sei besser als das Du von gestern. Es ist ein Wahn.
Und wir vergessen dabei, dass wir am Ende alle Menschen sind, mit unseren kleinen Fehlern und Schwächen.
Genau die machen es aus.
Nicht der aufgeräumte Schreibtisch. Nicht das cleane, tote Bild von einem Arbeitsplatz, der aussieht, als hätte hier noch nie jemand gearbeitet.
In mancher Unternehmenskommunikation wird so viel Perfektion an den Tag gelegt, dass am Ende Glaubwürdigkeit und Strahlkraft verloren gehen.
Eine Reportage, die wirklich etwas bewegen soll, muss echt sein. Echt heißt auch: den Pickel im Gesicht und die schmutzigen Hände zulassen.
Keiner fällt mehr auf diese übercleane Welt rein.
Natürlich meine ich das nicht naiv.
Das ist genau die Gratwanderung, die gute Kommunikation von gut gemeinter Kommunikation unterscheidet.
So viel Echtheit zulassen, dass die Glaubwürdigkeit wächst.
Und gleichzeitig so viel Fingerspitzengefühl behalten, dass der Kunde im geschützten Raum bleibt.
Das ist mein tagtägliches Ringen, wenn ich mit meiner Kamera unterwegs bin.
Ich suche das Echte, ohne jemanden zu entblößen.
Wo zieht ihr die Grenze zwischen Authentizität und Kontrolle in eurer Kommunikation?

